Schulstruktur: Schwarz-Weiß-Malerei bringt keine Lösung
VBE gibt Gutachten zur Weiterentwicklung des Schulsystems in Auftrag
„Durch Schwarz-Weiß-Malerei kommen wir bei der Frage nach mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit nicht weiter“, kommentiert Udo Beckmann, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung VBE NRW, die Aussagen auf der heutigen Pressekonferenz des Aktionsbündnisses Schule mit dem Thema: „Auf dem Weg zur Einheitsschulpolitik?!“. „Es wird nicht zur Kenntnis genommen, dass es gerade Ziel von längerem gemeinsamem Lernen und von Schule unter einem Dach ist, sowohl auf unterschiedliche Begabungen individuell zu reagieren als auch die Stigmatisierung bestimmter Schülergruppen aufzubrechen. Die heutige Pressekonferenz gab aus Sicht des VBE keine schlüssigen Antworten auf die drängenden Fragen, wie mehr Schüler zu höheren Abschlüssen geführt werden können, mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden und ein wohnortnahes Schulsystem erhalten werden kann. Vielmehr wurde weiter das Einteilen der Schüler in vorgefertigte Schubladen gepflegt.“
Beckmann: „Der VBE hat bei einem unabhängigen Gutachter eine Expertise über Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des nordrhein-westfälischen Schulsystems in Auftrag gegeben. Basis des Gutachtens sind die demographischen Entwicklungen und die gesellschaftlichen Erfordernisse wie sie im VBE-Zukunftsprogramm vom November 2004 beschrieben sind. Wir werden die Ergebnisse dieser Expertise noch vor den Landtagswahlen in die öffentliche Diskussion einbringen, um die bestehende und anscheinend fortschreitende Polarisierung in der Schulstrukturdebatte zu durchbrechen und Möglichkeiten von innerer und äußerer Weiterentwicklung von Schule in NRW aufzuzeigen.“ Verantwortung und Auftrag der Schul- und Bildungspolitik seien es, die Qualifikation unserer Schüler zu erhöhen, Benachteiligungen abzubauen, für alle Schülerinnen und Schüler Perspektiven zu schaffen und mehr Chancengerechtigkeit zu sichern, so der VBE-Landesvorsitzende. „Wir brauchen mehr Schüler, die in der Lage sind, eine Hochschule zu besuchen, um den Standort Deutschland zu sichern“, erklärt Beckmann. Von den PISA-Siegerländern zu lernen, hieße dabei, das individuelle Fördern und Fordern zu stärken – und vor allem die Frage nach der Schulstruktur nicht aus ideologischen Gründen zu verdrängen. Wer nur eine Schwarz-Weiß-Diskussion führt – hier eine Schule für alle, dort das gegliederte Schulsystem – trägt nicht zur Lösung des Problems bei. Das geht zu Lasten unserer Kinder und somit letztlich zu Lasten der Zukunft unseres Landes“, kritisiert Beckmann. Aufgrund der demografischen Entwicklung könne sich niemand auf Dauer um die Diskussion über eine Veränderung der Schulstruktur drücken. Beckmann: „Dem Problem, bei stark zurückgehenden Schülerzahlen ein wohnortnahes Schulangebot erhalten zu müssen, das allen Schülern mehr Teilhabe an der Bildung sichert, werden sich alle an Bildungspolitik Beteiligten stellen müssen – ganz gleich, mit wie viel Beton sie ihre heutige Position zum Erhalt des drei- bzw. viergliedrigen Schulsystems zementieren. Die Politik wird sich dem Druck der Kommunen und Schulträger stellen müssen, Lösungen zu finden. Ob dies verbundene oder integrierte Modelle sind, wird weitgehend von der vorhandenen Schülerzahl und der finanziellen Situation des jeweiligen Schulträgers abhängen. Der VBE bleibt dabei: Wir werden die durch die internationalen Studien aufgezeigten Probleme nur lösen, wenn wir die notwendigen Schritte zu einer inneren und äußeren Schulreform gehen. Dafür wird der VBE auf der Basis eines wissenschaftlichen Gutachtens pragmatische Lösungen aufzeigen.“
PD 020-05 / 09.03.2005
